Direkt zum Inhalt
Kapino
Lexikon

Günstigerprüfung

Steuern

Ein Antrag in der Steuererklärung, der Kapitalerträge mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert, wenn dieser unter 25 Prozent liegt.

Zuletzt aktualisiert am 8. September 2026

Kapitalerträge werden pauschal mit 25 Prozent Abgeltungssteuer belegt — unabhängig davon, wie viel du sonst verdienst. Wer wenig verdient, zahlt damit auf Kapitalerträge mehr als auf sein Gehalt. Die Günstigerprüfung korrigiert das.

So funktioniert sie

Du beantragst sie in der Anlage KAP deiner Steuererklärung mit einem einzigen Kreuz. Das Finanzamt rechnet daraufhin beide Varianten durch: einmal mit Abgeltungssteuer, einmal mit deinem persönlichen Steuersatz. Angewendet wird automatisch die für dich günstigere — ein Nachteil kann dir also nicht entstehen.

Ein Beispiel: Bei einem persönlichen Grenzsteuersatz von 14 Prozent zahlst du auf 2.000 Euro Kapitalerträge statt rund 527 Euro nur etwa 280 Euro. Die Differenz erstattet das Finanzamt.

Wann sie sich lohnt

Der Antrag lohnt sich, wenn dein zu versteuerndes Einkommen niedrig ist: bei Studierenden, in der Elternzeit, bei Teilzeitarbeit oder im Ruhestand. Wichtig ist, dass du die Erträge dann vollständig angibst — auch die, von denen deine Bank bereits Steuer einbehalten hat.

Was du dafür brauchst

Deine Bank stellt dir auf Anfrage eine Steuerbescheinigung aus, die alle Erträge und die bereits einbehaltene Steuer ausweist. Viele Broker legen sie automatisch ins Postfach. Die Zahlen daraus überträgst du in die Anlage KAP; das Kreuz für die Günstigerprüfung steht dort in Zeile 4.

Hast du Depots bei mehreren Banken, brauchst du von jeder eine Bescheinigung — die Prüfung betrachtet immer sämtliche Kapitalerträge zusammen.

Abgrenzung zur NV-Bescheinigung

Beide führen dazu, dass du keine oder weniger Steuer auf Kapitalerträge zahlst, greifen aber an verschiedenen Stellen:

  • NV-Bescheinigung: Du beantragst sie vorab beim Finanzamt und reichst sie bei der Bank ein. Diese behält dann von vornherein keine Steuer ein. Sinnvoll, wenn dein Einkommen dauerhaft unter dem Grundfreibetrag liegt.
  • Günstigerprüfung: wirkt rückwirkend über die Steuererklärung. Die Bank hat bereits Steuer abgeführt, du holst sie dir zurück.

Die NV-Bescheinigung erspart dir die Vorfinanzierung, die Günstigerprüfung ist flexibler — sie lohnt auch dann, wenn dein Einkommen zwar über dem Grundfreibetrag, dein Grenzsteuersatz aber unter 25 Prozent liegt.

Passende Rechner

Rechne das Gelernte direkt selbst durch.

Häufige Fragen

Für wen lohnt sich die Günstigerprüfung?

Für alle mit einem persönlichen Grenzsteuersatz unter 25 Prozent — typischerweise Studierende, Menschen in Elternzeit, Teilzeitbeschäftigte mit geringem Einkommen und viele Rentnerinnen und Rentner.

Kann die Günstigerprüfung mir schaden?

Nein. Das Finanzamt wendet sie nur an, wenn sie für dich günstiger ausfällt. Liegt dein persönlicher Satz über 25 Prozent, bleibt es bei der Abgeltungssteuer.

Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Anlageentscheidungen triffst du eigenverantwortlich. Investieren birgt Risiken bis zum Verlust des eingesetzten Kapitals.