Kirchensteuer
Eine zusätzliche Steuer auf die Abgeltungssteuer, die Mitglieder einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft zahlen — 8 oder 9 Prozent je nach Bundesland.
Auch: Kirchensteuer auf Kapitalerträge
Zuletzt aktualisiert am 8. September 2026
Wer Mitglied einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft ist, zahlt auf Kapitalerträge zusätzlich Kirchensteuer. Bemessungsgrundlage ist dabei nicht dein Gewinn, sondern die darauf fällige Abgeltungssteuer.
Wie sie berechnet wird
Der Satz liegt bei 8 Prozent in Baden-Württemberg und Bayern und bei 9 Prozent in allen übrigen Bundesländern. Weil die Kirchensteuer als Sonderausgabe abziehbar ist, sinkt im Gegenzug die Abgeltungssteuer leicht — statt 25 Prozent werden bei 9 Prozent Kirchensteuer nur 24,45 Prozent angesetzt.
Unterm Strich steigt deine Steuerlast auf Kapitalerträge damit von 26,375 Prozent auf rund 27,99 Prozent. Auf 1.000 Euro Gewinn über dem Sparerpauschbetrag sind das etwa 16 Euro mehr.
Automatischer Abruf
Deine Bank fragt einmal jährlich beim Bundeszentralamt für Steuern ab, ob du kirchensteuerpflichtig bist, und führt die Steuer automatisch ab. Du musst dafür nichts tun. Widersprichst du diesem Abruf mit einem Sperrvermerk, erfährt die Bank deine Konfession nicht — dann bist du allerdings verpflichtet, die Kapitalerträge in deiner Steuererklärung anzugeben.
Ein Rechenbeispiel
2.000 Euro Kursgewinn, Sparerpauschbetrag ausgeschöpft, 9 Prozent Kirchensteuer:
- Kapitalertragsteuer: 2.000 € ÷ 4,09 = 489,00 €
- Solidaritätszuschlag: 5,5 % davon = 26,90 €
- Kirchensteuer: 9 % von 489,00 € = 44,01 €
- Zusammen: 559,91 € statt 527,50 € ohne Kirchensteuer
Die Division durch 4,09 ist der Sonderausgabenabzug in Kurzform: Bei 8 Prozent Kirchensteuer teilst du durch 4,08. Deine Bank rechnet das automatisch so.
Wenn du die Konfession nicht offenlegen willst
Den Sperrvermerk musst du bis zum 30. Juni beim Bundeszentralamt für Steuern einlegen, damit er für den Abruf des Folgejahres wirkt. Die Bank erfährt dann nur, dass ein Sperrvermerk vorliegt — nicht, welcher Gemeinschaft du angehörst.
Die Steuer entfällt dadurch nicht. Das Bundeszentralamt informiert dein Finanzamt, und du gibst die Kapitalerträge in der Anlage KAP an. Unterm Strich zahlst du denselben Betrag, nur später und mit mehr Aufwand.
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Häufige Fragen
Wie hoch ist die Kirchensteuer auf Kapitalerträge?
Sie beträgt 8 Prozent in Baden-Württemberg und Bayern, in allen anderen Bundesländern 9 Prozent. Bemessungsgrundlage ist nicht dein Gewinn, sondern die darauf fällige Abgeltungssteuer.
Kann ich die Kirchensteuer auf Kapitalerträge vermeiden?
Nur durch einen Austritt aus der Religionsgemeinschaft. Du kannst dem automatischen Abruf deiner Konfession beim Bundeszentralamt für Steuern zwar widersprechen (Sperrvermerk), musst die Kirchensteuer dann aber selbst in der Steuererklärung angeben — fällig wird sie so oder so.
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Verwandte Begriffe
- Solidaritätszuschlag Ein Zuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungssteuer, der auf Kapitalerträge weiterhin für alle anfällt — anders als bei der Lohnsteuer.
- Günstigerprüfung Ein Antrag in der Steuererklärung, der Kapitalerträge mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert, wenn dieser unter 25 Prozent liegt.
Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Anlageentscheidungen triffst du eigenverantwortlich. Investieren birgt Risiken bis zum Verlust des eingesetzten Kapitals.