Wertpapierleihe
Das zeitweise Verleihen von Fondspositionen gegen Gebühr — der ETF verdient Zusatzerträge und trägt dafür ein besichertes Ausfallrisiko.
Auch: Securities Lending, Wertpapierdarlehen
Zuletzt aktualisiert am 11. September 2026
Bei der Wertpapierleihe gibt ein Fonds Aktien aus seinem Bestand zeitweise an einen anderen Marktteilnehmer ab und kassiert dafür eine Gebühr. Der Entleiher braucht die Papiere meist für Leerverkäufe oder zur Abwicklung von Geschäften; nach Ablauf gibt er Papiere derselben Gattung zurück.
Wie ein Verleihgeschäft abläuft
Der Fonds übergibt die Papiere und erhält im Gegenzug Sicherheiten, die mehr wert sind als das Verliehene — üblich sind 105 bis 110 Prozent, täglich neu bewertet und nachgefordert. Erträge wie Dividenden stehen weiterhin dem Fonds zu und werden ausgeglichen.
Erlaubt ist das nur innerhalb enger gesetzlicher Grenzen. Das Sondervermögen bleibt geschützt: Die Leihe ändert nichts daran, dass das Fondsvermögen getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft gehalten wird.
Was die Erträge ausmachen
Bei großen Standardindizes sind die Gebühren klein, weil die Papiere reichlich verfügbar sind. Nennenswert wird die Leihe bei Nebenwerten und Schwellenländern, wo Nachfrage auf knappes Angebot trifft.
Ein Rechenbeispiel
Ein ETF mit 0,20 Prozent laufenden Kosten erzielt 0,05 Prozent Leiheerträge im Jahr, von denen 70 Prozent im Fonds bleiben. Auf 10.000 Euro Anlage:
- Laufende Kosten: 0,20 % = 20,00 €
- Leiheerträge gesamt: 0,05 % = 5,00 €
- Davon im Fondsvermögen: 70 % = 3,50 €
- Effektive Kostenbelastung: 16,50 € statt 20,00 €
Das erklärt, warum die Tracking Difference regelmäßig unter der ausgewiesenen Kostenquote liegt — und in guten Jahren sogar unter null.
Nicht verwechseln: Wertpapierleihe und Leerverkauf
- Wertpapierleihe ist das Geschäft des Verleihers. Dein Fonds gibt Papiere ab und verdient eine Gebühr.
- Leerverkauf ist das Geschäft des Entleihers. Er verkauft die geliehenen Papiere und hofft auf fallende Kurse.
Dein ETF spekuliert also nicht auf fallende Kurse — er vermietet nur seinen Bestand an jemanden, der es tut.
Passende Rechner
Rechne das Gelernte direkt selbst durch.
Häufige Fragen
Kann ich sehen, ob mein ETF verleiht?
Ja. Jahresbericht und Factsheet nennen die Verleihquote, die daraus erzielten Erträge und die Art der Sicherheiten. Viele Anbieter deckeln den verliehenen Anteil vertraglich und veröffentlichen die Grenze.
Bekomme ich etwas von den Erträgen?
Indirekt. Üblich ist, dass der größere Teil der Leihgebühr ins Fondsvermögen fließt und damit den Anteilswert erhöht; den Rest behält die Fondsgesellschaft. Sichtbar wird das nur in der Tracking Difference.
Mehr dazu im Ratgeber
Verwandte Begriffe
- Tracking Difference Die tatsächliche Abweichung zwischen der Rendite eines ETF und der seines Index — aussagekräftiger als die TER allein.
- Sondervermögen Der rechtliche Status von Fondsvermögen: getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt und deshalb vor deren Insolvenz geschützt.
- Indexfonds Ein Fonds, der keinen eigenen Weg sucht, sondern einen Index möglichst genau nachbildet — die Bauart hinter jedem ETF.
Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Anlageentscheidungen triffst du eigenverantwortlich. Investieren birgt Risiken bis zum Verlust des eingesetzten Kapitals.