Thesaurierung
Die automatische Wiederanlage der Erträge im Fonds — sie erhöhen den Anteilswert, statt auf dein Konto ausgezahlt zu werden.
Auch: Wiederanlage, thesaurierend
Zuletzt aktualisiert am 11. September 2026
Ein thesaurierender Fonds zahlt seine Erträge nicht aus, sondern legt sie sofort wieder an. Zinsen und Dividenden der enthaltenen Papiere bleiben im Fondsvermögen und erhöhen den Wert jedes Anteils — du besitzt danach nicht mehr Anteile, aber wertvollere.
Warum das beim Sparen hilft
Der Zinseszinseffekt braucht eines: Die Erträge müssen wieder arbeiten. Ein thesaurierender Fonds erledigt das automatisch, sofort und ohne Ordergebühr. Bei einer Ausschüttung müsstest du das Geld selbst wieder anlegen — was Zeit kostet, oft in Teilbeträgen scheitert und in der Praxis häufig einfach liegen bleibt.
Ein Rechenbeispiel
20.000 Euro, 25 Jahre, 7 Prozent Gesamtrendite pro Jahr. Einmal vollständig wiederangelegt, einmal mit 2 Prozentpunkten Ausschüttung, die ungenutzt auf dem Konto bleiben:
- Vollständig thesauriert: rund 108.500 €
- Nur 5 % im Fonds, Ausschüttungen liegen bar: rund 67.700 € plus 19.100 € auf dem Konto
- Unterschied: rund 21.700 €
Die Rechnung ist bewusst zugespitzt — wer seine Ausschüttungen zuverlässig wieder anlegt, landet fast beim selben Ergebnis. Genau dieses Zuverlässige nimmt dir die Thesaurierung ab.
Wie sie besteuert wird
Ohne Auszahlung gäbe es jahrzehntelang nichts zu besteuern. Deshalb greift die Vorabpauschale: Sie unterstellt einen Mindestertrag auf Basis des Basiszinses und besteuert ihn jährlich. Deine Bank bucht den Betrag vom Verrechnungskonto ab — sorge also dafür, dass dort Anfang Januar Geld liegt.
Beim Verkauf werden alle gezahlten Vorabpauschalen vom Gewinn abgezogen. Unterm Strich verschiebt sich also nur, wann du zahlst.
Nicht verwechseln: Thesaurierung und Kurssteigerung
- Thesaurierung erhöht den Anteilswert, weil Erträge hinzukommen.
- Kurssteigerung erhöht ihn, weil der Markt die enthaltenen Unternehmen höher bewertet.
Im Kurs siehst du beides zusammen. Ein thesaurierender Fonds wächst deshalb schneller als sein Kursindex, ohne dass er mehr verdient hätte.
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Häufige Fragen
Sehe ich die Thesaurierung in meinem Depot?
Nicht als eigene Buchung. Die Anzahl deiner Anteile bleibt gleich, nur ihr Wert steigt. Im Depotauszug taucht die Wiederanlage deshalb nirgends auf — sie steckt im Kurs.
Muss ich thesaurierende Fonds versteuern, obwohl nichts ausgezahlt wird?
Ja, über die Vorabpauschale. Sie besteuert einen unterstellten Mindestertrag und wird deinem Verrechnungskonto belastet. Beim späteren Verkauf werden die bereits gezahlten Beträge angerechnet, damit nichts doppelt besteuert wird.
Mehr dazu im Ratgeber
Verwandte Begriffe
- Ausschüttung Die Auszahlung der Fondserträge auf dein Verrechnungskonto — das Gegenstück zur Thesaurierung.
- Dividende Der Teil des Unternehmensgewinns, den eine Aktiengesellschaft an ihre Aktionäre ausschüttet — in Deutschland meist einmal im Jahr.
- Indexfonds Ein Fonds, der keinen eigenen Weg sucht, sondern einen Index möglichst genau nachbildet — die Bauart hinter jedem ETF.
Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Anlageentscheidungen triffst du eigenverantwortlich. Investieren birgt Risiken bis zum Verlust des eingesetzten Kapitals.