Die gesetzliche Rente verstehen
Wie aus Entgeltpunkten deine spätere Rente wird.
Zuletzt aktualisiert am 3. August 2026
Die gesetzliche Rente ist für die meisten Beschäftigten in Deutschland die größte Einnahmequelle im Alter. Ihre Höhe wirkt oft undurchschaubar, folgt aber einer einzigen Formel mit vier Größen. Wer sie kennt, kann seine spätere Rente selbst überschlagen — und einschätzen, wie viel privat dazukommen muss.
Entgeltpunkte: die Währung der Rente
Deine Beiträge landen nicht auf einem Konto. Die Rentenversicherung rechnet sie stattdessen in Entgeltpunkte um, oft Rentenpunkte genannt. Der Maßstab dafür ist das Durchschnittsentgelt aller Versicherten, 2026 sind das 51.944 Euro im Jahr.
Verdienst du in einem Jahr genau so viel wie dieser Durchschnitt, bekommst du dafür einen Entgeltpunkt. Bei 26.000 Euro sind es ein halber Punkt, bei 78.000 Euro anderthalb. Nach oben zieht die Beitragsbemessungsgrenze eine Linie: Von einem Gehalt über 101.400 Euro werden keine Beiträge mehr fällig, entsprechend wächst auch die Rente nicht weiter. Mehr als rund 1,95 Punkte im Jahr sind damit nicht zu holen.
Dieses Verfahren hat einen angenehmen Nebeneffekt: Weil das Durchschnittsentgelt mit den Löhnen mitwächst, bleiben deine Punkte von der Inflation unberührt. Ein Punkt aus dem Jahr 1995 ist heute genauso viel wert wie einer aus 2026.
Die Rentenformel
Aus den Punkten wird eine Monatsrente über vier Faktoren (§ 64 SGB VI):
Entgeltpunkte × Zugangsfaktor × Rentenartfaktor × aktueller Rentenwert
Der aktuelle Rentenwert ist der Preis eines Entgeltpunkts in Euro. Seit dem 1. Juli 2026 liegt er bei 42,52 Euro und wird jedes Jahr angepasst, in der Regel im Gleichschritt mit den Löhnen. Der Rentenartfaktor beträgt bei jeder Altersrente 1,0 und ändert nichts; er unterscheidet nur Altersrenten von Witwen- oder Erwerbsminderungsrenten.
Ein Beispiel: 40 Entgeltpunkte ergeben 40 × 42,52 Euro, also gut 1.700 Euro brutto im Monat. Deine eigene Zahl rechnest du im Gesetzliche-Rente-Rechner durch.
Der Zugangsfaktor entscheidet über den Rentenbeginn
Bleibt der Zugangsfaktor. Er ist 1,0, wenn du zur Regelaltersgrenze in Rente gehst — bei allen Jahrgängen ab 1964 mit 67 Jahren, bei älteren Jahrgängen etwas früher.
Jeder Monat, den du vorher aufhörst, senkt die Rente um 0,3 Prozent. Vier Jahre früher kostet also 14,4 Prozent, und dieser Abschlag bleibt lebenslang. Dazu kommt ein zweiter Effekt, den viele übersehen: Wer früher geht, sammelt auch weniger Punkte. Beides zusammen macht den Unterschied deutlich größer, als die 14,4 Prozent vermuten lassen.
Umgekehrt bringt jeder Monat über die Regelaltersgrenze hinaus 0,5 Prozent mehr — bei drei zusätzlichen Jahren immerhin 18 Prozent.
Von brutto zu netto
Die jährliche Renteninformation nennt einen Bruttobetrag. Davon gehen später ab:
- Krankenversicherung: Du zahlst den halben allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent plus den halben Zusatzbeitrag deiner Kasse. Die andere Hälfte übernimmt die Rentenversicherung.
- Pflegeversicherung: 3,6 Prozent, für Kinderlose 4,2 Prozent — und diesen Beitrag trägst du anders als während des Berufslebens allein.
- Einkommensteuer: auf den steuerpflichtigen Anteil deiner Rente, der am Jahr des Rentenbeginns hängt und bis 2058 auf 100 Prozent steigt.
Bei einer Rente um 1.700 Euro bleiben nach Abgaben und Steuer typischerweise gut 1.400 Euro übrig. Welche Abzüge in deinem Fall greifen, zeigt der Gesetzliche-Rente-Rechner Zeile für Zeile.
Was in einer Überschlagsrechnung fehlt
Neben den Beiträgen aus deinem Gehalt füllen weitere Zeiten dein Rentenkonto. Kindererziehungszeiten bringen bis zu drei Entgeltpunkte je Kind, dazu kommen Pflegezeiten, unter Umständen angerechnete Ausbildungszeiten und der Grundrentenzuschlag für langjährig Versicherte mit kleinen Einkommen. Nach einer Scheidung geht über den Versorgungsausgleich ein Teil der Ansprüche auf den früheren Partner über oder kommt von dort hinzu.
Verbindlich rechnet das alles nur die Deutsche Rentenversicherung selbst. Ab 27 Jahren und fünf Beitragsjahren schickt sie dir jährlich eine Renteninformation, ab 55 eine ausführliche Rentenauskunft.
Und was fehlt dann noch?
Das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rente liegt bei rund 48 Prozent des Durchschnittslohns und sinkt langfristig weiter. Für die meisten deckt sie damit etwa die Hälfte des gewohnten Lebensstandards ab. Der Rest kommt aus den beiden anderen Säulen — wie sie zusammenspielen, steht im Drei-Säulen-Modell. Wie groß deine persönliche Lücke ausfällt, ermittelst du unter Die Rentenlücke berechnen.
Passende Rechner
Rechne das Gelernte direkt selbst durch.
Häufige Fragen
Wie viel Rente bekomme ich für ein Jahr Arbeit?
Das hängt allein vom Verhältnis deines Gehalts zum Durchschnittsverdienst ab. Wer genau den Durchschnitt verdient, sammelt einen Entgeltpunkt und damit rund 42,52 Euro monatliche Rente für dieses eine Jahr. Bei der Hälfte des Durchschnitts sind es gut 21 Euro, beim Doppelten rund 85 Euro.
Wie viele Rentenpunkte kann ich maximal im Jahr sammeln?
Knapp zwei. Die Grenze zieht die Beitragsbemessungsgrenze von 101.400 Euro im Jahr: Was du darüber verdienst, ist beitragsfrei und bringt deshalb auch keine zusätzliche Rente. Geteilt durch das Durchschnittsentgelt ergibt das rund 1,95 Punkte.
Wird die Rente noch besteuert?
Ein Teil davon, ja. Wie groß dieser Teil ist, entscheidet das Jahr deines Rentenbeginns: Bei einem Start 2026 sind 84 Prozent steuerpflichtig, und dieser Anteil steigt jährlich um einen halben Punkt. Ob am Ende Steuer anfällt, ist eine andere Frage — bei einer durchschnittlichen Rente ohne weitere Einkünfte bleibt meist der Grundfreibetrag davor.
Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Anlageentscheidungen triffst du eigenverantwortlich. Investieren birgt Risiken bis zum Verlust des eingesetzten Kapitals.