Altersvorsorgedepot oder freier ETF-Sparplan?
Zulagen und Steuerstundung gegen jederzeitigen Zugriff: was beide Wege bringen, wo sie sich unterscheiden und warum sich die Frage für viele gar nicht stellt.
Zuletzt aktualisiert am 2. August 2026
Beide Wege investieren dasselbe Geld in dieselben Märkte. Der Unterschied liegt nicht in der Anlage, sondern im Rahmen darum herum: Der eine Weg bringt Förderung gegen Bindung, der andere Freiheit ohne Zuschuss.
Was das Altersvorsorgedepot voraushat
Die Förderung. Auf die ersten 1.800 Euro Eigenbeitrag im Jahr gibt es bis zu 540 Euro Grundzulage, dazu bis zu 300 Euro je Kind. Das entspricht einer sicheren Anfangsrendite von 30 Prozent und mehr — eine Größenordnung, die keine Marktprognose seriös verspricht.
Die Steuerstundung. In der Ansparphase fällt weder Abgeltungssteuer noch Vorabpauschale an. Was nicht ans Finanzamt geht, bleibt investiert und verzinst sich mit.
Die Bindung als Vorteil. Was nach Nachteil klingt, hilft in der Praxis: An ein Depot, an das du nicht herankommst, gehst du auch nicht in einer Panik nach einem Kurssturz. Der häufigste Anlagefehler ist der Verkauf zum falschen Zeitpunkt.
Was der freie Sparplan voraushat
Zugriff jederzeit. Anteile lassen sich verkaufen, wenn das Leben dazwischenkommt: Jobwechsel, Selbstständigkeit, Immobilienkauf, längere Auszeit. Beim Altersvorsorgedepot kostet ein vorzeitiger Zugriff die gesamte Förderung.
Freie Produktwahl. Kein Positivlisten-Rahmen, kein Anbieterwechsel-Verfahren. Du wählst ETF und Broker selbst und wechselst, wann du willst.
Kein Anbieterrisiko. Die Kostenstrukturen der neuen Produkte kennt bislang niemand. Ein Sparplan bei einem Neobroker kostet heute oft null Euro Ordergebühr bei ETF-Kosten von 0,2 Prozent — das ist der Maßstab, an dem sich die Angebote ab 2027 messen lassen müssen.
Die Steuer: jetzt oder später
Hier steckt der Punkt, den Produktseiten gern überspringen.
Im freien Depot zahlst du aus versteuertem Einkommen ein. Besteuert wird später nur der Gewinn, mit rund 26,4 Prozent Abgeltungssteuer plus Soli, und bei Aktien-ETFs mindert die Teilfreistellung von 30 Prozent die Last auf effektiv etwa 18,5 Prozent. Dazu bleibt der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr steuerfrei.
Im Altersvorsorgedepot zahlst du faktisch aus unversteuertem Einkommen ein, weil Zulage und Sonderausgabenabzug die Beiträge entlasten. Dafür versteuerst du im Alter die gesamte Auszahlung, nicht nur den Gewinn — zum persönlichen Steuersatz.
Ob das aufgeht, hängt an der Differenz deiner Steuersätze. Wer heute mit 42 Prozent absetzt und im Ruhestand mit 25 Prozent versteuert, gewinnt deutlich. Wer im Alter ähnlich hohe Einkünfte hat, verliert diesen Teil — behält aber die Zulagen. Was die Steuer im freien Depot konkret kostet, rechnest du im ETF-Steuer-Rechner nach.
Eine Reihenfolge für die Praxis
Für die meisten stellt sich die Frage gar nicht als Entweder-oder. Diese Abfolge passt auf viele Situationen:
- Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeldkonto, bevor irgendetwas langfristig gebunden wird.
- Teure Schulden tilgen, siehe Schulden tilgen oder investieren.
- Geförderten Eigenbeitrag ausschöpfen, also bis zu 1.800 Euro im Jahr ins Altersvorsorgedepot — dort ist die Förderquote am höchsten.
- Alles darüber in den freien ETF-Sparplan, wo das Geld verfügbar bleibt.
Welcher Weg in deinem Fall vorn liegt, rechnet der Altersvorsorgedepot-Rechner aus — er stellt beide Stränge nach Steuern nebeneinander und sagt auch dann klar, wenn das freie Depot gewinnt.
Ein Vorbehalt bleibt: Bis konkrete Produkte mit konkreten Effektivkosten auf dem Tisch liegen, lässt sich Schritt 3 nicht abschließend bewerten. Ein Standarddepot am Kostendeckel von 1,0 Prozent frisst einen erheblichen Teil des Förderungsvorsprungs wieder auf. Wie stark laufende Kosten über Jahrzehnte wirken, zeigt der ETF-Sparplan-Rechner.
Passende Rechner
Rechne das Gelernte direkt selbst durch.
Häufige Fragen
Ist das Altersvorsorgedepot besser als ein normaler ETF-Sparplan?
Für die ersten 1.800 Euro im Jahr meistens ja, weil Zulagen und Steuerabzug eine Förderquote von 30 Prozent und mehr erreichen. Diesen Vorsprung holt kein freier Sparplan auf. Alles darüber hinaus gehört eher ins freie Depot, weil dort keine Bindung besteht.
Was ist der größte Nachteil des Altersvorsorgedepots?
Die Kapitalbindung. Vor dem 65. Lebensjahr kommst du nicht an das Geld, ohne Zulagen und Steuervorteile zurückzuzahlen. Ein freies Depot kannst du jederzeit auflösen — für eine Weltreise, eine Selbstständigkeit oder einen Immobilienkauf.
Kann ich beides parallel besparen?
Ja, und für viele ist das die sinnvollste Lösung. Ein Vertrag nimmt die Förderung mit, der freie Sparplan bleibt flexibel. Beide können denselben weltweit streuenden ETF enthalten.
Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Anlageentscheidungen triffst du eigenverantwortlich. Investieren birgt Risiken bis zum Verlust des eingesetzten Kapitals.